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Pflegeindikatoren und DRG

Teilnahme 42 Personen.

Am heutigen Netzwerk sind 12 neue Personen zu begrüssen. Das Thema DRG und Pflegeindikatoren ist brandaktuell und es ist klar, dass im kommenden Jahr mit der Einführung der Swiss DRG grosse Änderungen auf die Pflege zu kommen. Wer jetzt schon Pflegeindikatoren (Pflegediagnosen) liefern kann und diese dann auch noch der Kodierung in Echtzeit zur Verfügung stellt, hat einen Vorteil.  

Wichtig:

Bitte helft mit, die Adressliste des Netzwerks aktuell zu halten: Teilt mir bitte mit (odenbreitmatt@me.com), wenn sich eure Adresse ändert oder ihr nicht mehr am Netzwerk interessiert seid. Gebt bitte an welche Software ihr für die elektrische Pflegedokumentation einsetzt. Diese Daten werde ich in der Mitgliederliste des Netzwerkes aktualisieren. Sinn ist es, den Austausch unter AnwenderInnen gleicher Systeme zu erleichtern.

Hier könnt ihr eure Netzwerkadressen herunterladen Netzwerk_Namensliste_11.xlsx und folgende Angaben ergänzen=

  1. Welches ist euer aktuelle Beziehung zu Pflegediagnosen / Fachsprachen / Informatik
  2. Projekte an denen ihr arbeitet
  3. Mit welchen Softeware Lösungen arbeitet ihr?

Bitte eure Änderungen an mich mailen.

Mail an Matthias hier klicken!

Protokoll_15.11.11.pdf

1.Vortrag:

Präsentation des Antrags an das Bundesamt für Statistik zur Erweiterung der CHOP um ein Kapitel zur Pflege

Lucien Portenier, Leiter Qualität & Fachsprache SBK Geschäftsstelle Schweiz

  • Kosten im Gesundheitsbereich:
    5,6% Ausreisser (1,1% Kurzlieger, 4,5% Langlieger), generieren 15% der Gesamtkosten, 18% der Pflegekosten und 18% der Aufenthaltsdauer
  • Indikatoren aus dem Expertenmandat (SBK mit SVPL) wurden mit Pflegeinterventionen ergänzt und so für die CHOP 99C vorbereitet. Beispiele von Indikatoren wie mentale Beeinträchtigung, emotionale Beeinträchtigung, beeinträchtigte Mobilität, Beeinträchtigung der KP etc. siehe beigefügte Power Point Präsentation.

Präsentation hier klicken -> 2011_11_15_LP_DRG_Pflegediagnostiknetzwerk.pdf

2.Vortrag

Bericht aus dem USZ „DRG und Pflege“,
T. Jucker, LEP Beauftragter und Controller Direktion Pflege & MTTB Universität Spital Zürich, AKP, IPS-Ausbildung, Medizincontroller

1/3 der DRG-Kosten werden durch Pflegeleistungen verursacht. Prävention wird nicht abgeglichen, nicht finanziert.

  • Codierrelevante Zustände eines Patienten sind am USZ:
  • Bewegung und Sprache, z.B. Gangstörung, Blindheit
    Bewusstsein, z.B. Verwirrtheit, Demenz, Delirium
    Ernährung/Stoffwechsel, z.B. Schluckstörung
    Haut/Schleimhaut/Unterhautgewebe, z.B. Dekubitusgrad
    Urogenitalsystem, z.B. Urininkontinenz
    Verdauungssystem, z.B. Stuhlinkontinenz
    Spez. Behandlungen, z.B. ZVK, BZ-Produkte, Isolierung
  • Für die Institutionen wird es essentiell sein, die relevanten Informationen in die Kodierung zu übernehmen, dies kann pro Behandlung mehrere tausend Franken Unterschied ausmachen. Beispiel Dekubitus: perverserweise bringt der Schaden Geld nicht die Verhütung des Dekubitus. Andererseits wirkt sich eine hohe Dekubitusate negativ auf die Qualitätsvergleiche aus und kann zu Marktnachteilen oder gar Streichung von der Spitalliste führen.
  • Sitzwachen erhöhen z.B. den Pflegeaufwand. So erklären sich die Unterschiede zwischen verschiedenen Stationen. Andere Vorkehrungen zur Sicherheit und aufwendige Medikationen können den Pflegeaufwand weiter erhöhen. Unterscheide von Station zu Station sind dabei erheblich.
  • Nur wenn eine vollständige und lückenlose Dokumentation vorliegt kann Pflege ihre Leistungen rechtfertigen.
  • Diskussion im Plenum:  Ist es zulässig, LEP-Zahlen für Budgets und andere Planungen einzusetzen, obwohl die Aspekte der Qualität (Sinn und Zweck der Interventionen) darin nicht berücksichtigt sind?
  • Präsentation hier klicken ->  2011_11_15_USZ_SwissDRG und Pflege.pdf

3.Vortrag:

Pflegebedarf und Risiken der Patienten / Prozesssteuerung der Pflegeangebote im Felix Platter Spital

Dr. Christian Heering (Fachabteilungsleiter Qualität und Entwicklung Felix-Platter-Spital Basel, christian.heering@fps-basel.ch): Pflegecontrolling
Felix-Platter Spital in Basel, 300 Betten mit geriatrischen Patienten.

Resultate
  • Der Pflegebedarf wird nach NANDA-I erhoben, mittels 50 verwendeten Pflegediagnosen, verbunden mit einer Jones-Skalierung: Stufe 1 (selbständig mit Hilfsmittel), Stufe 2 (Unterstützung notwendig), Stufe 3 (Hilfsmittel und Unterstützung notwendig), Stufe 4 (von Pflege abhängig). Zusätzlich Triage nach Akutheit der Situation und Ermittlung eines Pflegebedarfsindexes mit Anzahl Pflegediagnosen und Skalierungen. Eine Auswertung dieser Informationen belegt für die ersten drei Quartale 2011 eine relevante Zunahme an akuten Situationen und an Behandlungen, die nicht ins Schema von Fallkostenpauschalen passen. Die Anzahl Pflegediagnosen hat sich nicht signifikant verändert, diese werden tgl. zum LEP dazu erfasst.
  • Pflegesituationen werden triagiert: grün= geringe Akutheit, Patient geht den Pfad, es bestehen wenig Risiken, Pflege durch FaGe. Gelb= erhöhtes Risiko, Wechselwirkung Pflege_Medizin, mind. 1mal tgl. ist eine dipl. Pflegende nötig, KP evt durch FaGe. Rot= höchste Akutheit mit vielen Risiken oder noch nicht abgeschlossene Pflegediagnostik, dipl. Pflegende ist nötig.
Diskussion:

Grundlage für die Triage der Akutheit (grün, gelb und rot) ist eine Pflegerichtlinie, für die Pflegebedarfsermittlung wird ein strukturiertes Assessment benutzt. Die Bezugspflege und Fallverantwortung können zurzeit manchmal nicht korrekt erfolgen.
Anteil Pat. mit höchster Abhängigkeit ist 17%-19%

Präsentation hier klicken -> noch nicht verfügbar!

4.Vortrag:

Pflege und DRG, messbare Indikatoren der Pflege zur Erklärung der Outlier
Weckmann&Mohr Arbeit im Rahmen eines dreimonatigen Praktikums am Bürgerspital Solothurn (Studium an der Fachhochschule Münster

Fragestellung:

Welche Pflege Indikatoren können zur Bestimmung der Liegedauer bei Outliern benannt werden?

Methode

Untersucht wurden die 5 häufigsten DRG`s (5 Out- und 5 Inlier) in der soH AG: einfache Pneumonie, Ösophagitis, cerebro vaskuläre Störungen, med. Rückenprobleme, lap. Cholezystektomie.
Zeitfenster 2009-2011, randomisierte Erhebung aus 3085 DRG’s
Total 96 untersucht, davon 48 Outlier und 48 Inlier
LEP Zahlen sind nur unter Beachtung der PD in Bezug auf die Pflegeleistung aussagekräftig

Resultate
  • Es besteht eine positive Korrelation zwischen Pflegeaufwand, Pflegediagnose und Liegedauer
  • Mittels bestehender Pflegediagnose kann frühzeitig erkannt werden, wie lange der Pat. hospitalisiert werden muss (vorrausschauende Planung)
  • Assessment und Pflegediagnosen erklären den Pflegeaufwand, alleine mit LEP oder anderen Aufwandmessungen ist dies nicht erklärbar
  • Die häufigsten Pflegediagnosen:  Sturzgefahr, Schmerzen, Inkontinenz, Erschöpfung, beeinrt. Körp. Mobilität, beeintr. Gasaustausch, Flüssigkeitsdefizit, Hautschädigung, , Angst, Diarrhoe, akute Verwirrtheit, Übelkeit (es werden nur die genannt welche bei der untersuchten Population mehrfach genannt wurden >5)
Diskussion:

Die Untersuchung zeigt signifikante Tendenzen und bestätigt die anderen Vorträge. Der reine Pflegeaufwand in Minuten sagt nichts über die Notwendigkeit der pflegerischen Handlung. Erst mittels Assessment und Pflegediagnosen kann eine gezielte Betreuung des Patienten erfolgen (Prävention) und die Indikatoren (Pflegediagnosen) erklären die Outlier. Rund 2/3 der Pflegekosten/-Leistungen pro DRG weist eine unbefriedigende Homogenität auf (64%)

Präsentation hier klicken -> 2011_11_15DRG_Pflege_Solothurn.pdf

5.Vortrag:

Welche Auswirkungen haben DRG`s auf die Pflege? Ergebnisse einer Literaturstudie

Prof. Dr. M. Müller-Staub, Pflege PBS   www.pflege-pbs.ch

  • DRG klassieren Hospitalisationen. Die Spitalplanung ist morbiditätsorientiert, nicht praventionsorientiert! Ziel der DRG ist die Kostensteuerung, keinesfalls Qualitätsverbesserung!
  • In der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme gibt es aktuell 16 000 Diagnosen, Tendenz steigend. Bei der Pflege sind es aktuell 206 NANDA-Pflegediagnosen.
  • Pflege ist ungenügend abgebildet (Swiss DRG Pflege), die Pflegekosten variieren zwischen 8%-56%. Die Pflegekosten entsprechen 2/3 und haben eine ungenügende Homogenität (grosse Streuung)
  • Methode: Literaturrecherche (Gesamttotal 1938) beinhaltete 91 Studien
  • Resultate: Rationierung, Unterversorgung, Aufnahme und Fallstruktur, Verminderung des Angebots entsprechend der DRG`s -> die Patienten werden später und kränker aufgenommen, es besteht die Gefahr nur gewinnbringende DRG`s auszuwählen, unvollständige Abklärung welche zu Wiedereintritten führt, Fallsplitting – aus einem Fall werden 2 Eingriffe gemacht.
  • Die Patienten erhalten weniger Pflege durch die kürzere Aufenthaltsdauer, die Unterstützung in der KP nahm um 21% ab, Unterstützung beim Essen um 24%, die Patientenanleitung und –beratung nahm um 77% ab und die Prävention um 73%.
  • Die direkten Pflegemassnahmen nehmen ab, Aufgaben im delegierten Bereich, z.B. vom Arzt nehmen zu Arbeitsverschiebung: professionelle Pflegende an Hilfskräfte
  • Verhältnis Patienten – Arzt ist um 13% gesunken, mehr Ärzte wurden angestellt!
  • Verhältnis Patienten – Pflege hat um 8% zugenommen
  • Hospitalisationsdauer nahm um 11% ab
  • Pflegeintensität steigt
  • Spitex wächst um 20-25% der Inanspruchnahme
  • Erwünschte Kosteneinsparung wurde nicht erreicht, weder Kosten noch Mortalität wurden reduziert
  • Ursachen: Pflege wird mehrdeutig und unspezifisch dokumentiert, die Pflegebegründung, resp. Evaluation ist wenig abgebildet.
  • Die Pflegediagnosen sind mit den DRG`s signifikant verbunden (p<0,0001), Pflegediagnosen erhöhen die Aussagekraft der DRG von 30-41% und Pflegediagnosen können vorhersagbare Entwicklungen darstellen (Welton&Halloran, 2005)
Diskussion:

Entwickelt sich der Pflegeberuf Richtung Interprofessionalität oder Interdisziplinarität?
Definition der Pflege als Disziplin ist die wichtigste Voraussetzung für den inter- und den intraprofessionellen Dialog (innerhalb der Pflege und mit anderen Professionen).
Was können verschiedene Klassifikationen zur Informationsstrukturierung beitragen? Das Netzwerk leistet einen wesentlichen Beitrag zu dieser Debatte.

Präsentation hier klicken -> 2011_11_15_DRG-SBK_Müller-Staub.pdf

Ideen für 2012:

Assessments. Assessment -Tag. LEP-WAUU-Tag. Evidenzbasierte Verknüpfung, gibt es dazu schon Ansätze?  Was bleibt auf der Strecke? Prävention und Qualitätssicherung dokumentieren und transparent machen. Einfluss der ExpertInnen (des Netzwerks) auf LEP-Kataloge. Spannungsfeld zwischen wachsendem Dokumentations- und Auswertungsbedarf und schwindender Zeitreserve. Was kommt von der Dokumentation in Form von Qualitätsverbesserungen bei PatientInnen an?